Fünf Gründe, TYPO3 zu hassen
Wir sind uns einig, TYPO3 ist klasse und kann buchstäblich alles (außer Kaffee kochen und telefonieren). Das Framework ist durchdacht, aber leider auch so komplex, dass sich schon bei der Redaktionsarbeit einfache Dinge wie “Neue Seite anlegen” auf unterschiedliche Weise erledigen lassen. Das schafft auch bei stark eingeschränkten Optinonen im Backend Frust bei der Kundenschulung. Es gibt natürlich auch Individualisten, die sich freuen, ihren ganz persönliche Workflow zu entdecken.
Immer wieder mal stößt man auf Dinge, die einem Steine in den Weg legen, wenn man so richtig in die Vollen gehen möchte. Es gibt genug Gründe, TYPO3 zu hassen. Hier ein paar beliebte Stolpersteine.
1. Warum schickt DirectMail keine Massenmails?
Wir haben schon getestet, dass das Template wirklich mit Daten gefüllt und verschickt wird: Unsere Testmails kommen an. Dann der Massenversand. Wir bekommen Rückmeldung von DirectMail, dass die Aufgabe (der Versand) angestoßen und beendet wurde. Nur beim Versand-Status bleibt das Feld “#verschickt”, das die Anzahl versandter Mails anzeigen sollte, leer.
Woher kommen unsere Empfänger? Die Empfängerliste speist sich aus einer FE-Usergruppe, die wir gerade selbst mit Testdaten gefüllt haben. Oder wir haben das Login-Formular so spartanisch eingestellt, dass keine Wahl blieb, ob die Empfänger HTML-Mails oder Text bevorzugen. Wenn jetzt kein alternatives Template für den Versand von Text-Mails eingestellt ist, erhalten alle User, die keine Wahl getroffen haben (deren Feld “Emails in HTML-Format empfangen” leer ist) keine Mails.
2. Warum sieht der Redakteur keine Seiten, wenn er sich einloggt?
Der Redakteur und Kunde steht beim ersten Login vor einem leeren Backend. Wir haben seiner BE-Usergroup den Zugriff auf den ihn interessierenden Bereich der Website verschafft und auch einen Filemount angelegt. Eigentlich hat der den vollen Zugriff.
Hier hilft ein Blick in das Modul Web > Zugriff. Wir haben die Seiten im Backend gleich am Anfang als admin angelegt, der Besitzer ist also “admin”. In der sinnvoll angelegten Standardeinstellung hat aber nur der Besitzer der Seiten und seine Gruppe in irgendeiner Form Zugriff auf die Seiten (und das ist auch der Lesezugriff).
Wir können jetzt den Zugriff auf die Seiten für alle freischalten (nicht so gut) oder den Redakteur nachträglich als Besitzer der Seiten eintragen. Besser: Gleich bei der Einrichtung die Gruppe “Redakteure” und einen ersten User anlegen. Neue Seiten werden dann nur noch mit dem Login dieses Users angelegt, weitergehende Arbeiten (Templates, Plugins usw.) machen wir mit dem Admin-Login.
3. Wo sind die Extensions?
Wir haben ein neues TYPO3 und möchten eine Extension im Extension-Manager vom Repository herunterladen. Wie üblich gehen wir im Extension Manager auf “Import extensions” und suchen nach dem Schlüssel. Und finden nichts. Bei einem neuen TYPO3 sollte man vorher ein Update der aktuellen Extensions-Liste machen, um auf dem neuesten Stand zu sein (Button “Retrieve/Update”). Wenn das nichts hilft: “Show obsolete” ankreuzen oder in den Bereich “Settings” gehen (Dropdown-Menü links oben) und “Enable unsupported extensions” auswählen, dann werden auch nicht auf Kompatibilität mit TYPO3 4.0 überprüfte Extensions berücksichtigt. Ganz auf Nummer sicher geht man, wenn man hier auch gleich die Auswahl des Servers für die Extensions dem Zufall überläßt (mirror list: random).
4. Wo bleibt das deutsche Backend?
Wieder ein neues TYPO3, und wir möchten unsere Backend-Sprache einstellen. Die Auswahl in den Benutzer-Einstellungen bringt nichts, auch die Extension csh_de verschafft uns keine deutschen Navigationsbegriffe im linken Frame. Gehen wir im Extension-Manager auf “Translation Handling” (linkes Dropdown-Menü), finden wir das Translation handling. Hier stellen wir die Backend-Sprache ein.
5. Und warum greift das nicht bei neu installierten Extensions?
“Check status against repository” ist Euer Freund. Hier wird die Übersetzung aller Module (ob Systemkomponenten, Backend-Module oder Frontend-Plugins) überprüft und mit einem Klick auf “Update from Repository” erneuert.
TYPO3 ist voll von Touristenfallen. Es gibt sicher noch mehr Gründe, unser Lieblings-CMS zu hassen.
Geschrieben am 11.08.2006 um 16:36:40 Uhr in der Kategorie Fortgeschrittene, TYPO3, Feed: RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben.
Ich hab’ früher eine Zeitlang mit Typo3 experimentiert – aber immer hat irgendwas nicht funktioniert. Mal ließ sich eine Extension nicht installieren, dann gab’s ein Problem mit dem Template.
Es ist halt schlichtweg zu komplex. Eine Liteversion wäre vielleicht toll
– ansonsten gibt’s ja kleinere und einfacher zu bedienbare Alternativen.
@Johannes,
also eine Liteversion nenne ich mal die aktuelel Typo3 4.0.1 Version. Ist ziemlich klein. Für kleine Pprivatseiten ist sie nicht geeignet, aber kleiner ist sie schon.
Die Probleme, die du da hast, kann man alle beseitigen. Leider ist z.B. das Lookup und die Translation wirklich bisschen kompliziert gestaltet.
Wenn du noch Hilfe brauchst, kann ich dir ja gerne helfen (ICQ steht in meinem Blog).
Nette Liste. Ließe sich noch um etliche Punkte erweitern. Aber meine “xxx Gründe, um TYPO3 zu lieben”-Liste ist zum Glück viel länger.
Also ich würde sagen, wer ne light version typo will sollte einfach mambo oder phpnuke nehmen.
Ich habe typo mitlerweile so lieben gelernt, daß Fehler oder Probleme (die übrigens woanders auch auftauchen), nicht mehr bzw wenig relevant sind.
Wer sich eingehend mit der Materie befasst(So ist es nunmal mit jeder Software) sollte keine oder wenig Probleme bekommen/haben.
=)
Just my 2cents…
Klar, man sollte schon wissen, was man da vor sich hat, wenn man TYPO3 einsetzt. Diese Liste habe ich auch eher als kleine Unterstützung für Anfänger oder die, die irgendeine Extension noch nicht benutzt haben, gedacht.
Ich benutze inzwischen auch kaum etwas anderes als TYPO3, weil auch dem “kleinen” Kunden nach einem halben Jahr einfällt, dass er gerne noch das eine oder andere haben möchte. Und nur für eine benutzerverwaltung plus Newsletterversand möchte keiner dann schon wieder ein neues System aufgesetzt bekommen.
Hallo,
ich kann mich dem Urteil hier nur anschließen: Typo3 ist sehr komplex und die Liste kann noch leicht um etliche Punkte erweitert werden. Vielleicht solltest eine Option schaffen, dass Leser der Site auch eine Möglichkeit haben, weitere Gründe hinzuzufügen?
Ansonsten ist halt gerade die Komplexität der Grund, warum Typo3 anderen CMS so überlegen ist. Man kann wirklich (fast) jede Funktionaliät mit Typo3 umsetzen. Daher ist mein Fazit: Für komplexe/umfangreiche Websites ist Typo3 unschlagbar.
Gruß aus Hannover
Sven Fischer, webdesign-hannover.cc
Hallo, Sven!
Neue Gründe können gerne im Kommentar eingefügt werden
Typo3 ist Hammer!
Es ist wohl so, dass es zumindest was die Administrationsebene und die Skill-Ebene des Entwicklers angeht nur für Profis zu empfehllen.
Eine Schulung für Redakteure sollte gut durchdacht sein und man sollte keine mini Schulung innerhalb von 1 Stunde anbieten.
Etwas länger dauert es schon!
Vor allem sollte man zweigleisig fahren. Sowohl Frontend Editing als auch Backend Editing erklären. Ich schließe mich meinen Vorgängern an. Für größere Websites und bei hoher Auslastung ist ein Typo3 System mit gutem Extensionpool wenn überhaupt, nur durch Red-Dot, InfoPark, Media-Core oder Imperia zu schlagen. Und das dürfte extrem teuer werden.:-)
ach, kommt schon.
aller anfang ist schwierig, oder? aber was sich die jungs hinter typo3 an aufwand abringen, um die xtausend extensions und somit die unterschiedlichsten programmierer auf der ganzen zu vereinheitlichen – schlicht den hut ab!
seht typo als herausforderung, nicht als stolperstein, und die genugtuung kommt dann von selbst.
in dem sinne_ heiteres eiersuchen!
Tja bis man bei Typo3 einen BE-User konfiguriert hat, bloggt man mit Wordpress schon auf der dritten Seite.
Und wer glaubt eine Extension einfach hochzuladen und zu installieren und geht, der hat vorher hoffentlich die Power des Systems verstanden.
Genau deshalb bin ich hier gelandet…
Na ja, ich finde typo3 nicht sehr gut durchdacht, wenn man genauer in den Code schaut und sich das Datenbank-Design ansieht wird es einem fast schlecht und man fragt sich wie soetwas überhaupt funktionieren kann…
Na, so schlimm ist es doch nicht. Der Ansatz von TYPO3 als Framework ist sehr gut. Die Tabellen gehorchen zwar wohl nicht allen Normalisierungsvorschriften, wenn man ein paar Extensions eingebaut hat, aber dafür ist das System einfach zu pflegen. Die Philosophie ist hier: Lieber ein neue Feld an die fe_users anhängen, als die Personendaten für eine neue Anwendung komplett neu erstellen. Und dann auch alle anderen Funktionen wie Login neu machen, weil die ja auf der fe_users aufbauen. Das ist eben der Unterschied zwischen einem Framework und einer Software aus einem Guß. Flexibilität und Nachvollziehbarkeit stehen im Vordergrund.
Wer sich an die Programmierrichtlinien von TYPO3 hält bzw. weiß, wie eine Extension aufgebaut ist, kann schnell persönliche Anpassungen an einer Extension vornehmen. Da es aber doch einige Zeit braucht, um das System zu verstehen, kann ich nachvollziehen, dass es wegen des Einarbeitungsaufwands doch viele abschreckt.
Gegen den hohen Aufwand steht natürlich immer die Kostenseite: Wer einen geübten TYPO3ler beauftragt, spart gegenüber der Lizenzgebühr für ein “perfektes” System jenseits von Open Source eine Menge Geld.
Nö, da bin ich ganz anderer Meinung.
Nicht erst nach der Installation von Extensions wird es mir schlecht, hast du zum Beispiel schon mal die kommagetrennten Gruppen-Fremdschlüssel in der fe_users-Tabelle gesehen? antiflexibilität!! (meine Hautfarbe verblasst wenn ich nur daran denke)
Es gibt noch mehr Beispiele; und sowas ist im Kern!!
Dass sich eine Extension dir Rechte nimmt eine vorhandene Tabelle zu erweitern finde ich ganz ok.
Klar, besser wäre eine dritte Normalform. Aber da es eben nicht so ist und jeder, der sich mit der Sache auskennt, das weiß, funktioniert die Sache auch.
Es ist wie überall: Altlasten werden mitgeschleppt. Und wenn das fe_user-Feld usergroup mal in ein integer verändert wird, funktionieren 999 der 1000 Extensions nicht mehr. Vom Standpunkt der reinen SQL-Lehre hast Du recht, aber bei einem so komplexen Open-Source-System reicht es schon, wenn man sich mit der Anpassung des objektorientierten Systems auf PHP 5 auseinandersetzen muß.
Version 4.0 hat einen Sprung vorwärts gemacht. Die Überarbeitung von vielen tausend Zeilen Code sind allerdings ein dicker Hund und können nicht einfach so erledigt werden. Da sind immer wieder kritische Geister wie Du gefragt, die bei der Umsetzung helfen
Bis dahin nehmen wir TYPO3 am besten als einen typischen Fall von real life: Funktioniert, ist nicht perfekt und kann mit unser aller Hilfe nur noch besser werden.
Genau! Und das ist ja das Schöne an Open Source – genau das geht eben.
Ich wusste das auch nicht mehr auswendig, aber diese Kommagetrennten Werte verletzen die erste Normalform: http://de.wikipedia.org/wiki/Normalisierung_(Datenbank)#Verletzung_der_1NF
Tut mir leid, aber Typo3 weiter zu entwickeln halte ich für vergäudete Zeit.
Hallo zusammen,
ich habe mich auch schon einige Zeit mit Typo 3 auseinandergesetzt, es hat wirklich viele gute Features.
Aber seit ich joomla benutze, bin ich davon wirklich überzeugt.
Das ist um einige benutzerfreundlicher und es gibt mehr Foren, in denen man Antworten bekommt.
Hallo, Markus!
Deine Vorliebe für Joomla kann ich gut verstehen: Man installiert das Teil und kann schon anfangen. Nete Features wie News, Login-Formular, Simpel-Umfrage und Suche sind schon eingerichtet. Aber dann geht es erst richtig los:
- Inhalte spuckt das System in Tabellenform aus (auch der 508Hack kann hier nur einfache Dinge ausbügeln)
- Es gibt keine wirkliche Rechteverwaltung
- Wer eine Website mit 100 Seiten einrichten will, verheddert sich im Backend, weil es keinen Pagetree gibt
- wer mehrere Sprachen verwalten möchte, kann die Übersetzungen für die Teile der Website suchen. Die Struktur ist hier genau wie im ganzen System auf das Veröffentlichen von Nachrichten, nicht auf die Verwaltung von Seiten eingestellt.
- … hier einfach fortsetzen
Joomla ist mE die schnelle Lösung, wenn man eine kleine Website mit netten Funktionen haben möchte, aber nicht wirklich ein Intranet, mehrere Benutzergruppen und den vollständigen Zugriff auf die Ausgabe der Inhalte (Thema Barrierefreiheit) sucht.
Es gibt genug Gründe, TYPO3 zu hassen, aber wenige, es zu ersetzen.
Gründe, die für mich (Webdesigner, Flasher mit bescheidenen PHP-Kenntnissen) für Typo3 und gegen andere CMS sprechen:
1. Mehrere Projekte, eine Installation
Wenn man das Hosting der Kunden mitbetreut, ist Typo3 ein Segen. Der Kern wird zentral gepflegt, die Seiten können trotzdem individuell angepasst werden.
2. Mehrsprachigkeit
Geht – vor allem mit TemplaVoila – richtig schnell. Sprache anklicken, zwei, drei festgelegte Schritte ausführen, und im Backend kann man anfangen, die Inhalte zu übersetzen.
3. Konditionen
Hier scheitern die meisten CMS. Ich will – bei einem Projekt mit 4 Ebenen und ca. 800 Seiten – ein Inhaltselement auf Seiten mit den IDs 17, 24, 82, 180, 220 erscheinen lassen. Bei 5 Seiten geht das noch von Hand, bei 20, 30 Seiten nicht mehr so gut.
Eine Abfrage „wenn seitenID = 17 oder seitenID = 24 dann das und das“ muss möglich sein.
4. TemplaVoila
Man will einem Redakteur eine Form geben, um z.B. nur Headline, Inhalt und einen Link einzubauen. Mit TemplaVoila baut man sich in HTML die Form zusammen und stellt sie dem Redakteur zur Verfügung – ein eigenes Inhaltselement in 10 Minuten.
Dass Typo3 komplex ist stimmt, teilweise unstimmig und teilweise schlichtweg unsinnig … Aber gut ist es
Mann muss nur den Sinn sehen.